Dimanche 18 novembre 2018 BAT - La revue des écritures théâtrales - Numéro 76 Partager

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Rosenwinkel (Cosmopolis)

:::: Par Luise Rist | paru le 01/11/2012

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Rosenwinkel. Über eine Straße, die in die Vergangenheit führt

 Ein Theaterstück über Roma und Gadje

Uraufführung am 8. Juli 2012 in Göttingen

 

In der Videoperformance „My World“ der gebürtigen Roma Lita Cabellut inszeniert sich die Künstlerin selbst als grotesk anmutender Engel auf einer Spieluhr. Die knöchernen Flügel scheinen mit der Miniatur-Frau verwachsen zu sein, deren Körper sich von einer Sound-Kulisse begleitet dreht, die Assoziationen an Horrorfilme hervorruft. Cabellut hat der Puppe ihre eigenen Züge verliehen. Die kleine Doppelgängerin bekommt im Verlauf der Sequenz einen Kelch in die Hände, den sie hoch über den Kopf hebt und über sich ausgießt. Die Flüssigkeit leuchtet in einem künstlichen Grün – wie Blut in einem indizierten Computerspiel.  

Die winzige Frau scheint sich selbst zu taufen,  mit einem Strom aus grellem Weihwasser, das sie erfüllt und ermächtigt. Denn im Folgenden beginnt sie, Auge in Auge mit ihrer Schöpferin, sich aus dem Korsett des Karussells heraus zu bewegen. Die Berührung mit der Flüssigkeit hat etwas Unheimliches und zugleich Befreiendes. Ist es ihre Geschichte, sind es Erinnerungen, die ihr zu einer neuen selbstbewussten Identität  verhelfen?

Während meiner Recherche für das Theaterstück ROSENWINKEL habe ich, gemeinsam mit der Regisseurin Nina de la Chevallerie, viele Bilder und Performances von Künstlern angesehen, die sich mit ihrer Herkunft als Roma beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit Identität, die nicht an eine Nation, sondern an eine Ethnie gebunden ist, deren Geschichte seit mehr als sechshundert Jahren mündlich tradiert wird, führt mich beim Schreiben in ein scheinbar unbekanntes Land. Wer sind Roma? Wie sind sie „die anderen“ geworden? Wir tauchen ein in den Sog einer Geschichte, die von weither kommt und deren Anfänge bis nach Indien reichen. Mit unserem Freien Theater boat people projekt entwickeln wir seit 2009 Theaterstücke, in denen die Erinnerungen von Menschen, die ihre Heimat verloren haben, uns zu Geschichten inspirieren. Rituale, Andenken, ein Kleidungsstück, ein Geruch, eine Musik oder der Klang der Muttersprache generiert Erinnerungen. Wir arbeiten mit  professionellen Bühnenkünstlern sowie mit Flüchtlingen, die ganz verschiedenen Kulturkreisen entstammen. Jedes Projekt bedeutet, sich auch der eigenen Biografie zu nähern: was habe ich persönlich mit dem Thema zu tun? Wo treffen sich Erfahrungen und Gefühle?

Auf Lita Cabellut bin ich gestoßen, weil mich besonders ihre weiblichen Figuren auf Gemälden angezogen haben, die alles auf einmal zu sein scheinen: Kind, Frau und Großmutter. Die Vergangenheit zeichnet das Kind, in dessen Gesicht ich das Alter erahnen kann, so wie ich in der Alten das Mädchen entdecke. Ein Gesicht sieht mich an und mit ihm seine Geschichte. Ich entdecke Spuren von Verfolgung. Was sehe ich in dich hinein? Was sehe ich von dir? Wer erfindet wen?

Ich sehe mir Bilder von anderen Künstlerinnen an, die gebürtige Roma sind und ihre Identität zum Thema ihrer Kunst gemacht haben. Es gibt zwar Schauspieler, die Roma sind, aber kaum zeitgenössische Theaterstücke, die sich mit der Geschichte dieses Volkes beschäftigen. Die Theatergeschichte kennt eher Klischees, Carmen mit roten Röcken und folkloristische Musik.

Ich passe auf

Wenn jemand durch mich hindurch

Und auf mich herab sieht

Er sieht das Bild

Das er sich von mir gemacht hat

Auf meine Stirn schreibt er:

„Zigeuner“

Wir sind Roma

Rom heißt Mensch

Unsere Sprache ist indogermanisch

Und kommt aus dem Sanskrit

Beim Schreiben sehe ich die stolzen und von ihrer Geschichte geprägten Gesichter auf großer Leinwand von Lita Cabellut. In der Realität treffen wir Kinder, die nicht in die Schule gehen wollen, weil sie nicht wissen, ob sie in Deutschland bleiben dürfen, und Väter, die starre Rituale durchführen und womöglich vergessen haben, was sie bedeuten. Daneben verschämte Mütter. Beim Näherkommen entdecken wir dann doch Stolz und ein Wissen, das sie nicht mit uns teilen. Sie waschen Teppiche und bieten uns Gastfreundschaft an. In ihren Gesichtern steckt mehr als sie sagen können.  Theater spielen wollen oder dürfen die Frauen nicht, doch eine ihrer Töchter gesellt sich zu uns und bleibt bei den Proben dabei. Mit ihr zwei Männer, die getrieben sind von dem Wunsch, sich an ihr Volk zu erinnern und sich ihrer Zugehörigkeit zu vergewissern. Während der Probenzeit reisen sie auf den Spuren ihrer Vorfahren in die Ukraine und nach Polen.

All dies fließt in das Stück ein. Wir gießen uns die fremden Erinnerungen über, versuchen uns zu identifizieren, verstehen mal gut, mal gar nicht und gehen über Widerstände. Manchmal drehen wir uns im Kreis, dann wieder passiert ein Aufbruch beim Schreiben und beim Inszenieren des Geschriebenen; ab und zu erreicht uns ein Blick, ein Satz, eine Geste – etwas blitzt auf.

Vorsichtig gesagt: etwas Pures. Pur nicht im Sinne von heil. Pur: ohne Umschweife, tief, und insofern rein, als sich jemand ganz zeigt. Er gibt auch das Dunkle preis, aber der Duktus des Zeigens ist ein unschuldiger. Man kann ahnen, was es heißt, wenn Levinas schreibt, dass im „Antlitz“ das unsichtbare Innerste zum Ausdruck kommt. Wir erkennen etwas voneinander und schenken uns Vertrauen.

Im Theaterbetrieb – zumal im deutschen Regietheater – kommt schnell die Sorge auf, dass etwas zu heil oder gar heilig dargestellt werden könnte. Die Sorge ist berechtigt, wenn das Heile hohl ist, wenn Abziehbilder der Wirklichkeit inszeniert werden, eindimensional. Aus der Angst vor Kitsch bleibt man allerdings häufig auf der Strecke und traut sich nicht, das Existenzielle mit zu erzählen.

Saj te duranav e moinusen!

Ich kann zaubern!  in der Sprache Romanes

Meines Erachtens darf man im Theater brüskieren, wenn man eine Haltung hat, blasphemisch sein, wenn man den inneren Antrieb dazu verspürt. Was boat people projekt aber vielleicht ein bisschen abhebt von manchen Theaterschaffenden ist unsere überzeugte Ablehnung einer lässigen Attitüde im Umgang mit religiösen Gefühlen und Symbolen. Navid Kermani schreibt am 1. Juli 2012 in der Süddeutschen Zeitung in Bezug auf die von Martin Mosebach aufgeworfene Debatte um Blasphemie von einer „frappanten Verständnislosigkeit für alles, was sich aus anderen als diesseitigen Beweggründen herleitet“, von einer „religiösen Unmusikalität, die in der Regel mit einer Unkenntnis der je eigenen Tradition einhergeht“.

Während des künstlerischen Prozesses stellen wir uns auf die „religiöse Musikalität“ der Menschen ein, mit denen wir in Kontakt kommen und für die Spiritualität oftmals eine große Rolle spielt. Wir haben keine Berührungsängste. Und wir lassen uns gerne verzaubern.

In der Zeit der gemeinsamen Arbeit ereignen sich berufliche und private Dinge, Lebensumstände ändern sich, jemand zieht um, ein Angehöriger heiratet, bekommt ein Kind, jemand stirbt. Als ich noch als Dramaturgin an Stadttheatern gearbeitet habe, war kein Raum für Lebensumstände außerhalb des Kosmos Theater, eine Geburt oder eine Beerdigung figurieren hier als Störfälle.

Heute ist meine Arbeit geprägt von vielen neuen Lebensumständen, mit denen uns unsere Ensemblemitglieder konfrontieren. Während des Schreibens kommt mir Familiäres ins Gedächtnis. Manchmal rufe ich schnell meine Mutter an, um mich zu vergewissern, dass sie noch da ist. Nichts ist selbstverständlich.

Indem ich den Spielern Texte auf den Leib schreibe, die etwas mit ihnen und ihrer Vergangenheit zu tun haben, gerät etwas in Bewegung. Wer ist derjenige, der vor mir steht, was habe ich mit ihm zu tun?

MUTTER

Mach die Schminke ab!

MÄDCHEN

Das ist keine Schminke!

MUTTER

Dann nimm die Maske ab! 

MÄDCHEN

Das ist keine Maske.  Das ist mein Gesicht.

Unsere Stücke handeln vom Aufbruch aus Afrika ins vermeintliche Paradies Europa, von Flüchtlingen aus Afghanistan oder Syrien, und aktuell sind es Roma, denen wir uns annähern. Sie sind 1999 aus dem Kosovo geflohen und in Göttingen, in einer Straße am Stadtrand mit dem schönen Namen Rosenwinkel untergekommen. Übergangsweise -

Die jüngste Spielerin, Anita Osmani, die in Deutschland aufgewachsen ist, lasse ich in einer Szene sagen, dass sie von ihrer Vergangenheit nichts wissen will, da sie ja, als ihre Eltern fliehen mussten, noch nicht geboren war.

 

MÄDCHEN

Die Straße ist frei.

 

BUSFAHRER

Das denkst du nur. Wenn du genau hinsiehst, kannst du sie sehen.

MÄDCHEN

Wen?

BUSFAHRER

Auf dieser Straße sind Viele gestorben.

MÄDCHEN

Ich war hier noch nie.

BUSFAHRER

Ich weiß. Aber wir müssen trotzdem hier lang.

Das Mädchen ist in einen Bus gestiegen und  an einer Haltestelle ausgestiegen, die es gar nicht gibt. Hier kommt es zur Überschneidung zwischen den Zeiten und den Welten.

Die Kleine kann die Toten des Krieges nicht gesehen haben. Aber es gibt etwas in ihr, das trotzdem mit diesem Wissen über die Toten in Kontakt ist. Der Busfahrer ist ein Fährmann, der sie sicher auf die andere Straßenseite gebracht hat. Durch ihn gelangt sie in den Kosovo, der auf einmal mitten in Göttingen liegt. Wer weiß schon so genau, was 1999 geschah? Die Kleine möchte von der Geschichte nichts wissen, muss aber durch die Vergangenheit gehen, um in der Gegenwart anzukommen. Geschichte und Gegenwart überlagern sich. Uns interessieren die Spuren des Gelebten, die sich bis in die Generation der Kinder und Enkel und darüber hinaus fortschreiben. Theater als Ort, an dem sich Bruchstücke sammeln und zusammen setzen.

Im Theaterstück ROSENWINKEL fragt sich die deutsche Frau, warum sie das alles nicht gewusst hat, warum sie nicht ahnte, welche Biografien sich in der Straße am Stadtrand verbergen. Ihre Erinnerungen beginnen sich mit den Bildern der Roma-Familie, mit denen sie im Bus sitzt, zu vermischen. Sie, die Deutsche – in der Sprache der Roma eine „Gadje“ – versteht, warum sie den ersten Schritt machen muss.

Ich bin wie du. Für einen Moment bin ich wie Ihr. Roma.  Meine Oma sammelt Kräuter und liest aus der Hand. Der Krieg auf dem Balkan ist erst dreizehn Jahre her. Zerbombte Häuser. Und ich? Ende der neunziger Jahre  habe ich in Berlin Techno getanzt. Der Busfahrer hält an. Am Waldrand lagern Menschen im Gras, ein Feuer brennt. Das Schaf hatte hoffentlich ein gutes Leben.

Um die zehntausend Roma sollen in diesem Jahr in ihre Heimat abgeschoben werden. Die „Rückführungen“ haben längst begonnen. Was ist die Heimat der Roma? Im Kosovo sind ihre Häuser oder Mahalas zerstört, rückkehrende Roma werden dramatisch ausgegrenzt.

Wir versuchen, Berührungen zwischen den Kulturen selbst zu erfahren und den Zuschauern weiter zu geben. Nach mehr als sechshundert Jahren hat das Volk der Roma  Sehnsucht danach, anzukommen. Gemeinsam mit ihnen hoffen wir auf ein Ende der Ausgrenzung und ein Aufeinanderzugehen über die Bewegung des Erinnerns.

 

Was wollt Ihr denn?

Wir haben keine Angst

Ihr habt Angst

Vor dem, was Ihr nicht seid

Vor dem, was wir für Euch sein sollen

Wir lassen uns nicht

Erfinden

 

Traduction

Rosenwinkel

Traduit en Français par Luise Rist avec la complicité de Patrick Nouga Nouga.

 

“Rosenwinkel”. Sur une route qui mène vers le passé

Une pièce de théâtre sur les Roms et les Gadje

Première: le 8 Juillet 2012 à Göttingen en Allemagne

 

Dans sa vidéo performance "My World",  l’actrice d’origine Rom Lita Cabellut se met en scène tel un ange grotesque qui  tourne sur une boîte à musique. Des ailes osseuses semblent avoir poussé sur  le corps de la femme miniature. Ce corps tournant au son de la musique qui l’accompagne dans les coulisses, peut  évoquer l’atmosphère des films d'horreur. Cabellut a imprimé à la poupée ses propres mouvements. Au cours de la séquence, son petit sosie reçoit un calice qu’elle  lève au dessus de sa tête et dont elle verse le contenu sur son propre corps. Le liquide produit une lumière artificielle d’un vert florissant - comme le sang dans un jeu qui serait mis à l’index.

La femme minuscule semble se baptiser avec ce flux lumineux d'eau bénite, qui lui donne des pouvoirs magiques. Car dans les moments qui suivront, elle rencontrera sa créatrice et - de pair avec elle – elle bougera jusqu’à s’extirper de ce corset et de ce carrousel. Le contact avec le liquide a quelque chose d'étrange et en même temps de satisfaisant. Est-ce son histoire ou la mémoire qui lui redonne son identité, nouvelle et rassurante ?

Au cours de mes recherches pour la pièce de théâtre « ROSENWINKEL », la régisseuse  Nina de la Chevallerie et moi avons regardé de nombreuses images et visualisé de nombreux spectacles d'artistes roms qui se préoccupent de leur origine. Faire face à une identité qui n'est pas liée à une nation mais à un groupe ethnique dont l'histoire est transmise oralement depuis plus de six cents ans, m'amène pendant la rédaction du script, en terrain apparemment inconnu. Qui sont les Roms? Comme sont ils devenus "les autres"?

Nous plongeons dans les tourbillons d’une histoire qui vient de loin et dont l’origine se trouve en Inde. Avec notre théâtre libre » boat people projekt »  nous développons depuis 2009 des pièces de théâtre dans lesquelles les souvenirs de ceux qui ont perdu leurs nations nous inspirent. Rituels, pensées, morceaux de vêtement, odeur, musiques ou son de la langue maternelle génèrent des souvenirs. Nous travaillons avec des artistes de théâtre professionnels et des réfugiés issus de cultures très différentes.  Avec ces derniers, chaque projet est  une approche de ma propre biographie: qu’a ce thème en commun avec ma personne ? Où est le point de collision entre mes expériences et leurs sentiments?

Je suis tombé sur Lita Cabellut parce que ses figures féminines sur les tableaux ont attiré mon attention. Elle semble être à la fois: enfant, femme et grand-mère. Le passé montre l’enfant. A l’aide de son visage je peux deviner son âge et aussi voir la fillette. Un visage et son histoire me regardent. J’y  découvre des traces de persécution. Que vois- je dans ton intérieur? Que vois-je de toi? Qui invente qui?

Je regarde des images d'autres artistes qui sont nés roms et ont fait de leur identité le thème principal de leur art. Bien qu'il existe des acteurs roms, il n’existe pas encore beaucoup de pièces de théâtres contemporaines qui traitent de l'histoire de ce peuple. L’histoire du théâtre ne connaît que des clichés.  Carmen avec ses robes rouges et des musiques folkloriques…

Je fais attention
Si quelqu'un à travers moi
Et  de façon méprisante me regarde

Il voit l'image
Qu'il s’est faite de moi
Sur mon front, il écrit:
Tsigane

Nous sommes Roms
Rom veut dire l'homme
Notre langue est indo-germanique
Et vient du sanscrit

(extrait de « Rosenwinkel »)

Pendant la rédaction de la pièce de théâtre, je vois sur le grand écran de Lita Cabellut, des  visages fiers et façonnés par leur histoire. Mais dans la réalité, nous rencontrons des enfants qui ne veulent pas aller à l'école parce qu'ils ne savent pas s'ils sont autorisés à rester en Allemagne et des pères qui font pratiquer des rituels rigides dont parfois le pourquoi leur est inconnu.  A côté nous rencontrons des mères timides. En s'approchant de plus près, nous découvrons encore cette fierté et une connaissance qu'elles ne partagent pas avec nous. Elles lavent des tapis et nous offrent l’ hospitalité. Leurs visages expriment plus qu'ils n’en peuvent dire. Jouer, vouloir ou pouvoir jouer du théâtre n’est pas permis aux femmes mais une des filles se joint à nous et reste pendant les répétitions. Se joignent à elle deux hommes animés par le désir de se souvenir de leur peuple et de s'assurer qu'ils y  appartiennent. Pendant les répétitions ils voyagent sur ??les traces de leurs ancêtres en Ukraine et en Pologne.

Toutes ces informations glissent dans la pièce. Nous nous imprégnons des souvenirs étrangers, essayons d'identifier, comprenons parfois bien, parfois pas du tout et rencontrons des résistances. Quand nous tournons en rond quelque chose s’ouvre – subitement : de temps en temps nous parvient un regard, un mouvement, un geste – un éclair.

Disons le prudemment: quelque chose de pur. Pas pur dans le sens de la sainteté. Pur: franchement profond, et ceci lorsqu'une personne se présente authentiquement.  Il révèle aussi les ténèbres. Mais la manière d’apparaître est innocente. On peut imaginer ce que cela signifie quand Levinas écrit que dans le «Antlitz » (la face) l’intérieur profond et invisible se montre. Nous voyons quelque chose de commun et nait alors une confiance mutuelle.

Dans le théâtre - en particulier dans la mise en scène du théâtre allemand – arrive rapidement l'inquiétude que quelque chose de la représentation   pourrait évoquer le sacré. Cette inquiétude est justifiée lorsque la chose sacrée est vide de sens ou si les clichés sont réellement mis en scène, sans aucune dimension. Mais par peur du kitsch beaucoup laissent tomber et n'osent pas raconter l’existentiel.

Saj te duranav e moinusen!

Dans la langue Romani : Je peux faire de la magie!

(Rosenwinkel)

Pour ma part, je pense qu’au théâtre il faut ne pas hésiter à brusquer quand on a une conviction, et blasphémer lorsque l’impulsion intérieure se fait sentir. Ce qui différencie et rehausse un peu la notoriété de « boat people projekt » des  autres théâtres est le refus d’une attitude désinvolte face aux sentiments religieux et aux  symboles. Navid Kermani a écrit le 1 Juillet 2012 dans la Süddeutsche Zeitung  à propos de  la question soulevée par Martin Mosebach sur le blasphème par un «manque total flagrant de compréhension de tout ce qui est dérivé de motifs autres que ceux que nous connaissons» d'une « surdité musicale religieuse, qui dérive très souvent d’une ignorance de sa propre tradition".

Pendant le processus artistique, nous tenons compte de la «musicalité religieuse» des gens avec qui nous entrons en contact, ainsi que de leur spiritualité qui joue souvent un grand rôle. Nous n'avons pas peur des contacts avec  autrui. Et nous nous laissons fasciner.

Pendant la période commune des travaux avec les acteurs potentiels,  il se passe des choses inattendues tant sur le plan  professionnel que privé: un déménagement, le mariage d’une connaissance, la naissance d’un bébé ou  d’un décès. Tout ceci ralenti l’avancée des travaux. Quand je travaillais en tant que dramaturge au théâtre de la ville de Göttingen, il n'y avait presque pas de place pour des circonstances hors du cosmos théâtral. Une naissance ou des funérailles figuraient ici comme des incidents indésirables…

Aujourd'hui, mon travail est influencé par de nombreuses circonstances auxquelles les membres de l'ensemble nous confrontent. En écrivant tout ceci me semble familier. Parfois j’appelle rapidement  ma mère, pour m'assurer qu'elle est toujours là. Rien ne va de soi.

Quand j’écris un texte pour un acteur nous bougeons tous les deux :  l’acteur et moi. Qui est cette personne qui se trouve en face de moi, qu'ai-je à faire avec lui?

MÈRE
Enlève ce maquillage!

FILLE
Ce n'est pas un maquillage!

MÈRE
Enlever ce masque!

FILLE
Ce n'est pas un masque. C'est mon visage -

(Rosenwinkel)

Nos pièces de théâtre parlent de la migration de l'Afrique vers les supposés paradis de l'Europe, des réfugiés Afghans ou Syriens, et actuellement des Roms. Travail que nous abordons. Ils ont fui le Kosovo depuis 1999 et ont trouvé refuge à Göttingen, dans une rue nommée ROSENWINKEL aux abords de la ville. Ils y sont toujours provisoirement installés. Rosenwinkel : Recoin ou poussent les roses. Jolie nom pour une situation limite...

La plus jeune actrice, Anita Osmani, qui a grandi en Allemagne, dira dans une scène qu'elle ne veut rien savoir de son passé, car elle n’était pas encore née quand ses parents ont dû fuir leur pays d’origine.

FILLE
La voie est libre.

LE CHAUFFEUR DE BUS
Tu penses. Si tu regardes attentivement, tu peux les voir.

FILLE
Qui?

LE CHAUFFEUR DE BUS
Beaucoup sont morts sur cette route.

FILLE
Je ne suis jamais venu ici.

LE CHAUFFEUR DE BUS

Je sais. Mais cela n’empêche, nous devons quand même longer ce chemin.

La jeune fille est montée dans un bus et descendue à un arrêt qui n'existe pas. Ici nous assistons à une collision entre les temps et les mondes.
La fillette ne peut pas avoir vu les morts de la guerre. Mais il ya quelque chose en elle qui est, à travers cette connaissance, en contact avec les morts. Le chauffeur du bus est un passeur qui l’amène en toute sécurité de l'autre côté de la rue. Grâce à lui, elle arrive au Kosovo, mais qui se trouve alors à Göttingen, en Allemagne.

Qui sait exactement ce qui s'est passé en 1999?

La petite fille ne veut rien savoir de cette histoire, mais doit traverser le passé pour arriver au temps présent. Chevauchement du passé avec le présent –

Nous sommes intéressés par les traces du vécu, qui traversent les  générations, traces de l’histoire des grands parents qui s’inscrivent dans la vie des  enfants et petits-enfants. Et le théâtre est un lieu pour rassembler ces fragments et les mettre ensemble.

Dans notre pièce de théâtre la femme allemande se pose la question, pourquoi n’a-t-elle pas été au courant des histoires des réfugiés qui vivent dans le Rosenwinkel,  pourquoi n’a-t-elle pas ressenti quelles vies s’installent à la périphérie de la ville.

Ses souvenirs commencent à se mélanger avec les images de la famille des Roms avec qui elle est dans le bus. Elle, l'allemande – dans la langue des Roms une «Gadje" - comprend pourquoi elle doit faire le premier pas. 

Je suis comme toi. Pour  un instant, je suis comme vous. Roms. Ma grand-mère cueille des herbes et lit l’avenir dans les mains. La guerre dans les Balkans n’est terminée que depuis treize ans. Des maisons bombardées! Et moi? A la fin des années quatre vingt dix, je dansais la techno à Berlin.

Le chauffeur de bus s'arrête. Au bord de la forêt se trouvent des gens couchés dans l'herbe, un feu brûle. Le mouton a eu, espérons le, une bonne vie.

Une dizaine de milliers de Roms devrait être expulsés cette année vers leur pays d’origine. Les «renvois forcés» ont déjà commencé. Quelle est le pays d’origine des Roms? Au Kosovo, leurs maisons sont détruites, les revenants sont considérablement marginalisés.

Nous essayons ainsi d'établir et de comprendre  le contact entre les cultures et de le partager davantage avec le public. Après plus de six cents ans, le peuple Rom souhaite vivement arriver à un endroit. Ensemble, nous espérons la fin de leur exclusion et une approche à travers le mouvement de la mémoire.

Que voulez-vous?
Nous n'avons pas peur
Vous n’avez peur
Pour ce que vous n’êtes pas
Pour ce que nous devrons être pour vous

Nous ne nous laissons pas
Inventer

(Rosenwinkel)

 

 

 


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